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Was es mit Heimat auf sich hat

08.11.2010


„Hier sind wir zuhause“ – Klaus Werk führte bei der ersten Stiftungsversammlung von „Unser Land! Rheingau und Taunus“ vor Augen, was es mit Heimat auf sich hat. Im Falle von Rheingau und Taunus ist es die Verbindung der Metropolregion Rhein-Main mit den größten unzerschnittenen Wäldern Hessens und einem großen Fluss, dem Rhein. Ein ähnlicher Fall finde sich lediglich außerhalb Deutschlands: Wien mit dem Wienerwald und der Donau.

Der Professor für Umweltrecht und Planungsinstrumente der Hochschule RheinMain klärte vor Stiftern und Gästen die Frage „Welche Bedeutung hat die Kulturlandschaft für die Zukunft des Rheingau-Taunus-Kreises?“ In der historischen Caféhalle in Schlangenbad, wo die Bürgerstiftung vor etwa einem Jahr gegründet wurde, sagte Vorstandsmitglied Werk, worauf es der Stiftung ankommen sollte: Das Potential einer solchen Kulturlandschaft dürfe nicht vernichtet, sondern müsse entfaltet werden. Der Landschaftsexperte betonte, er hänge nicht einer unberührten Natur nach, die es weltweit fast nicht mehr gebe. Ihm gehe es um eine Kulturlandschaft, deren weitere Entwicklung von der Kenntnis ihres Wertes geprägt wird.

Die Bürgerstiftung könne wesentlich zur Erhaltung der Landschaft von Rheingau und Taunus beitragen, meinte der Schlangenbader Bürgermeister Michael Schlepper. Als Mitglied des Stiftungsrates bescheinigte er ihr, dass sie für jedermann offen sei, überparteilich und auf hohem fachlichen Niveau vorgehe. Zu den 28 Gründungsstiftern kamen inzwischen vier Zustifter, die den Kapitalstock auf derzeit 63.000 Euro erhöhten. Außerdem, so trug Stiftungsvorsitzender Dr. Wolfgang Ehmke vor, erhalte die Stiftung inzwischen monatlich 300 Euro von Spendern. Einen finanziellen Beitrag wird auch der Stiftungswein leisten – wenn er denn ausreichend gekauft wird. Landrat Burkhard Albers, der qua Amt dem Stiftungsvorstand angehört, geht mit gutem Beispiel voran: Er hat für Empfänge und als Geschenk 60 Flaschen geordert; mit ihnen wirbt der Kreis für die Landschaft von Rheingau und Taunus, für Engagement in einer Bürgerstiftung und er leistet für sie zugleich einen finanziellen Beitrag. Andere Kommunen und Organisationen, die ebenfalls dem Rheingau und Taunus verbunden sind, sollten es ihm gleichtun, empfahl das Vorstandsmitglied der Stiftung, Jürgen Winterwerb.

Für Förderzwecke ergeben die bisherigen Stiftungsgelder wegen der geringen Kapitalzinsen kaum mehr als 1.500 Euro im Jahr. Deshalb liegt nach Ehmkes Worten ein Schwerpunkt auf der Werbung um weitere Stifter, Spender und Sponsoren. Die noch junge Bürgerstiftung blieb aber bisher nicht wirkungslos. Mehrere hundert Menschen hat sie bei ihren Veranstaltungen mit der Vielfalt und den Eigenarten „unseres Landes“ bekannt gemacht und sie dafür begeistert: Am Marcobrunn ging es um die überraschende Blütenpracht in den Weinbergen, in Schlangenbad um naturgemäße Waldwirtschaft, zwischen Rüdesheim und Lorch machte sie mit den Spuren des Kaufmannswegs bekannt, an der Wisper mit der Wiederkehr des Lachses, und im Tal der Kleinen Wisper rückten neben der Pflanzen- und Tierwelt die geologischen und historischen Hintergründe in den Blick.

Überdies ist ein „Leuchtturmprojekt“ der Bürgerstiftung der Realisierung näher: ein Wisperwanderweg als Verbindung der beiden Welterbe Mittelrheintal und Limes sowie der Kreisteile Rheingau und Untertaunus. Der Naturpark Rhein-Taunus hat diese Aufgabe übernommen und in einen größeren Zusammenhang gestellt. Arbeitsgruppen entwickeln nun entlang der Wisper eine Route zwischen Lorch und Heidenrod, außerdem eine weitere im Osten des Kreises über die Platte nach Wiesbaden – Querverbindungen zwischen Rheinsteig und Limeswanderweg, die wie diese Wege zertifiziert werden sollen und insgesamt einen Ring durch die Landschaft von Rheingau und Taunus bilden.

Zunehmend arbeitet die Bürgerstiftung im Austausch mit anderen, die sich mit einzelnen Facetten des Stiftungszwecks von „Unser Land!“ befassen. In der Stiftungsversammlung sind personell die Bürgerstiftung Taunusstein vertreten, die Umweltstiftung Dr. Brack in Rauenthal, der Kulturlandschaftsverein Hausen vor der Höhe, die Nabu-Ortsgruppe Rheingau, der Verein Naturschutzhaus, der Verein zur Bewahrung und Entwicklung der Rheingauer Landschaft sowie der kommunale Zweckverband Naturpark Rhein-Taunus. Durch den Zweiten Vorsitzenden von „Unser Land“ ist auch die Landwirtschaft vertreten: Uwe Enders, der dem Vorstand des Kreisbauernverbandes angehört.

Als Zustifter gesellte sich Wolfgang Landsfeld hinzu. Er ist Gründer des Aktionsbündnisses „Aus Liebe zum Rheingau“ und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet für Erfolge durch Hartnäckigkeit und Professionalität; sein Lebenswerk sei die „Wahrung einer Landschaft als kulturelles Erbe“. Genau darin trifft er sich mit der Bürgerstiftung „Unser Land!“

Autor: Jürgen Winterwerb

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