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Es kommt auf jeden Einzelnen an

11.08.2010


„Praktisch“ sagen die erschöpften Rheinsteig-Wanderer und lassen sich auf den Bänken am Fuß der Ruine Nollig nieder. Sie genießen den Ausblick über den sattgrünen Wald und ins Rheintal. Gestiftet hat die Bänke und den Tisch vor einigen Jahren, so steht es auf den Schildchen, die Hochzeitsgesellschaft von Brigitte Haschä und Wolfgang Ehmke.

Praktisch, dem Taunus und Rheingau verbunden und für die Allgemeinheit da – das ist auch Wolfgang Ehmke, der Erfinder der „Bürgerstiftung Unser Land! Rheingau und Taunus“. Der promovierte Agrarbiologe hat viele Jahre in Hessen und zuvor in Baden-Württemberg sowie als Bundestagsabgeordneter der Grünen (1983 –1986) für Naturschutz und Landschaftsökologie gewirkt. Allerdings hat sich der 1946 im hinterpommerschen Kolzow geborene Bauernsohn mit Verwaltung und Theorie nie zufrieden gegeben. Praktischer Natur- und Landschaftsschutz füllen deshalb den Tag des 1999 in den einstweiligen Ruhestand versetzten Abteilungsleiters im Hessischen Umweltministerium aus. Der Regierungswechsel 1999 hat es dem an der Uni Stuttgart-Hohenheim ausgebildeten Agrarbiologen ermöglicht, sich mehr denn je dem Artenschutz und der Kulturlandschaft zu widmen. Es ist für Ehmkes Arbeit typisch, dass sich nach seiner Entdeckung eines selten gewordenen Ackerwildkrauts in Hausen vor der Höhe unter seiner Mitwirkung ein rühriger Kulturlandschaftsverein gegründet hat.

Ehmke und andere Botaniker haben privat und unentgeltlich begonnen, das Mittelgebirge Taunus zwischen Bad Nauheim und der Lahn zu kartieren. Erfasst werden die Pflanzen und ihr Gefährdungsgrad. Vortaunus und Hochtaunus sind fertig, nur der Hintertaunus bis zur Lahn fehlt noch. Aus vielerlei Gründen ist diese Kartierung wichtig. Sie dokumentiert den Entwicklungsstand und die Veränderungen. Vor etwa 150 Jahren, sagt Ehmke, war der Artenreichtum am größten. Sein Ziel ist es, den Artenschwund – u.a. durch den Klimawandel – zu stoppen.

Das Motto des engagierten Optimisten lautet, sich nicht auf die staatliche Verwaltung zu verlassen, sondern „aus privater Sicht etwas anfangen!“ Die Bürgerstiftung für die Kulturlandschaft Rheingau und Taunus ist ein weiteres Beispiel seines privaten und praktischen Handelns. „Wir sind keine reine Naturschutzstiftung“, betont Ehmke. Denn ihm geht es um die Landschaft, die sich aus dem Zusammenspiel von geografischen Gegebenheiten und Generationen von Menschen ergeben hat. Dazu gehören dann folgerichtig auch Heimatkunde und Denkmalpflege.

Angesteckt von dem Stiftungsgedanken des National Trust for Scotland, dessen Mitglied der in Taunusstein lebende Agrarbiologe ist, schwebt ihm vor, dass auch die Stiftung Unser Land! Rheingau und Taunus eine wachsende Bedeutung bekommt. Für Bauern, Winzer und Behörden kann sie ein Helfer und kundiger Ratgeber sein, für privat initiierte Projekte ein Geldgeber.

Seit 2006 hat Ehmke für die Bürgerstiftung Unser Land! geworben; er gewann Mitstreiter für einen Initiativkreis und den Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers, als Schirmherren. Der Pflanzenexperte betont, es komme auf jeden Einzelnen an, ob er sich den Erhalt der Kulturlandschaft zum persönlichen Anliegen macht. Denn mit der Gründung ist die Stiftung erst ins Leben getreten. Groß werden muss sie noch.

Autor: Waltraut Rohloff

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