Bürgerstiftung von Wiesbaden enttäuscht

05.05.2015


Mit Absage an Biosphäre Chancen verspielt / Landeshauptstadt isoliert sich erneut

Die Bürgerstiftung Unser Land ist tief enttäuscht über das Verhalten des Wiesbadener Umweltdezernenten und Bürgermeisters Arno Goßmann (SPD). Er hat einer Biosphärenregion im Bereich des Rheingau-Taunus-, des westlichen Main-Taunus-Kreises und der Landeshauptstadt eine Absage erteilt. Für die Bürgerstiftung ist es völlig unverständlich, dass ein solches Projekt ausgerechnet am stellvertretenden Vorsitzenden des Naturpark Rhein-Taunus scheitert.

Im Rheingau-Taunus herrscht über alle Parteien hinweg breite Zustimmung für eine Machbarkeitsstudie für eine Biosphärenregion. Eine Machbarkeitsstudie ist im Schwarz- Grünen-Koalitionsvertrag für Hessen vorgesehen, sollte vom hessischen Umweltministerium in Auftrag gegeben werden und die Chancen einer Biosphärenregion ausloten. Pflichten für die Landeshauptstadt wären jetzt nicht entstanden, erklärte für die Bürgerstiftung das Vorstandsmitglied Professor Klaus Werk. Mit den Überlegungen für eine Biosphäre ist er ständig befasst.

Eine Biosphärenregion soll nach den Vorgaben der Unesco für eine nachhaltige regionale Entwicklung sorgen. Für eine herausragende Kulturlandschaft, wie sie in Rheingau und Taunus gegeben ist, würde in einer Biosphärenregion eine Entwicklung abgestimmt, die das kulturelle und das natürliche Erbe bewahrt und zeitgemäß weiterentwickelt.

Geplant ist Partnerschaft mit Wien und dem Wiener Wald

Weltweit sind bereits über 600 Landschaften so von der Unesco anerkannt worden. Gesucht wird derzeit eine Metropolregion, die sich als großer urbaner Raum mit angrenzendem Naturpark in einer Partnerschaft mit Wien und dem Wiener Wald zu einer solchen Entwicklung entschließt. Der Rheingau, der Taunus, der Rhein und die Landeshauptstadt Wiesbaden hätten zusammen eine sehr große Chance, die nach Ansicht der Stiftung genutzt werden sollte. Unabdingbar ist die Teilnahme Wiesbadens als Teil einer Metropolregion.

Die Absage Wiesbadens verhindert ein renommiertes Projekt, das der ganzen Region Vorteile und internationales Ansehen bringen könnte; gerade die Landeshauptstadt hätte davon profitiert. Das Stadtgebiet selbst wäre nicht in die Biosphären-Regulierungen einbezogen worden. Gefragt wäre indessen das verbindliche Zusammenwirken zur nachhaltigen Entwicklung der Region und ihrer Kulturlandschaften, zur Umweltpädagogik, Gesundheitsvorsorge, regionalen Erholungsplanung, Gewährleistung der Landnutzung und erneuerbarer Energien. 2 % der Gesamtfläche müssten als Referenzflächen vor allem in den Wäldern nutzungsfrei werden. Dieses Ziel schien nach erstem Check ohne größere Probleme erreichbar.

Eine Biosphärenregion würde den Welterbeantrag Wiesbadens als Weltkurstadt unterstützen. Ein Widerstreit beider Vorhaben ist nicht erkennbar. Bei einer Realisierung würde die Verwaltung einer Biosphäre die vorhandenen Strukturen aufgreifen und müsste später finanziell durch das Land ausgebaut werden. Große finanzielle Aufwendungen kämen – entgegen den Äußerungen des Bürgermeisters – auf die Stadt selbst nicht zu. Sie verlöre auch keine Kompetenzen.

Phase der Besinnung nötig

Aufgrund der Absage aus Wiesbaden kann die ergebnisoffene Machbarkeitsstudie nicht vergeben werden. Die Bürgerstiftung möchte die Idee aber nicht begraben, um sie nach einer Phase der Besinnung erneut zu prüfen. Aktuell sollte der Naturpark Rhein-Taunus auf einen neuen anspruchsvolleren Stand gebracht werden. Nach Ansicht der Stiftung kann dieser von Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis gemeinsam unterhaltene Zweckverband zu einem Schlüsselelement für die Kulturlandschaften und die Erholung in Rheingau und Taunus werden. Die Stiftung hofft, dass dies Zustimmung in Wiesbaden findet. Andernfalls sollten die Landkreise Rheingau-Taunus und Main-Taunus letztlich eigene Wege gehen.

Generell ist ein unkooperatives Verhalten Wiesbadens gegenüber seinen Nachbarn festzustellen. Während sich Frankfurt, Offenbach, Darmstadt oder Mainz deutlich zur RheinMainRegion formieren und Kooperationen suchen, schottet sich Wiesbaden offenbar ab. Deutlich wird dies auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, der Kulturregion, bei Konzepten der Ver- und Entsorgung und erneuerbarer Energien. Die Stadt lebt aber vom Austausch und den Arbeitskräften aus den Nachbarkreisen und profitiert aus ihrer zentralen Lage. In einer offenen auf Partnerschaft angewiesenen Region RheinMain ist ihr Verhalten kontraproduktiv und wird auf sie selbst zurückfallen. Man sollte einmal über den Tellerrand der Kurstadt hinweg schauen.

Bei Rückfragen: Professor Klaus Werk, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Unser Land! Rheingau und Taunus, Tel. 0170 7743866, privat 06120 7018

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