Landschaftspflege ohne Tierhaltung nicht vorstellbar

12.07.2017


Landschaftspflege ohne Tierhaltung nicht vorstellbar

Der Galloway-Bulle lässt sich anscheinend gern betätscheln (links Stiftungsgeschäftsführer Klaus Schüttler und Bürgermeister Volker Diefenbach, zweiter von rechts: Stiftungsvorsitzender Professor Klaus Werk, links neben ihm der Eigentümer von Hof Grilseifen, Arno Molter. Foto: Martin Fromme

Regen Zuspruch erfuhr die Veranstaltung der Bürgerstiftung mit Gallowayhaltern der Region auf dem Hof Grilseifen über der Wisper. Zwischen 120 und 150 Besucher fanden sich an den Weiden am Ortsrand von Watzelhain ein. Bei passendem Essen und Trinken – natürlich auch heimischer Apfelsaft und Galloway-Bratwurst – genossen sie den sonnigen Tag und den Ausblick über die Taunushöhen. Zugleich konnten sie die zotteligen schottischen Rinder und ihre Bedeutung für das Grünland kennenlernen.

Die Gefährdung von Grünland, von Wiesen und Weiden, war das eigentliche Thema der Veranstaltung. Nachdem Rolf Hussing als Vorstandsmitglied die "Bürgerstiftung Unser Land! Rheingau und Taunus" vorgestellt hatte, eröffnete der Stiftungsvorsitzende Professor Klaus Werk einen Blick auf die Zukunft: In seiner Ansprache schilderte er die Chancen von Rheingau und Taunus, wenn sie als Biosphärenregion anerkannt würden.

Heidenrod versucht es mit einem Talwiesen-Konzept

Die typische Taunuslandschaft mit ihrem Wechsel von Wald, Wiesen, Weiden und Äckern hätte sich in den letzten Jahrzehnten noch stärker verändert, wenn es Weidetiere gar nicht mehr gäbe. Die seit längerem rückläufige Nutztierhaltung hat in weiten Teilen dazu geführt, dass ehemals offene Landschaft verbuscht und unter Aufwuchs verschwindet. Das gilt zumal für viele Täler. Der Heidenroder Bürgermeister Volker Diefenbach verwies auf ein Talwiesen-Konzept, mit dem die Gemeinde dieser Entwicklung entgegentritt.

Sonja Kraft, die auf der Stiftungsveranstaltung für den Landschaftspflegeverband Rheingau-Taunus sprach, betonte: "Ohne Tierhaltung wäre Landschaftspflege gar nicht vorstellbar." Die Erfolge eines gezielten Vorgehens sind in Niedergladbach zu besichtigen. Die Beweidung der dortigen Hänge hat wieder für eine vielgestaltige Landschaft gesorgt. Je nachdem, ob Schafe, Ziegen oder Rinder den Bewuchs abrupfen oder -beißen, und je nachdem, was ihnen schmeckt und bekommt, ist das Ergebnis für die Pflanzenwelt verschieden.

Eine nahegelegene Schlachtstätte fehlt noch

Die robusten Galloways von Arno Molter sind das ganze Jahr im Freien. Er hält die Robust-Rinder aus der schottischen Grafschaft Galloway seit 30 Jahren und war hierzulande ein Pionier. Die vierzig Tiere beweiden seinen Worten zufolge etwa 40 Hektar, davon 28 Hektar Talwiesen. Heu wäre dort schlecht zu mähen, da es in diesen Lagen nur schwer trockne. Wie seine Kollegen hat er ein spezielles Problem: Es fehlt eine nahegelegene Schlachtstätte. Vorgespräche haben ergeben, dass sie auf dem Kettenbacher Henriettenhof angesiedelt und vom Leader-Programm der EU unterstützt werden könnte. 

Biosphäre von Vorteil für die ganze Region

Im übrigen griff Bürgermeister Diefenbach die Worte von Klaus Werk auf: Heidenrod würde eine Biosphäre sehr begrüßen. Die Landschaft, ihre Produkte, der Tourismus und die Lebensqualität der Menschen in der gesamten Region würden gestärkt. Diefenbach, der auch dem Stiftungsrat von "Unser Land" angehört, versprach: "Ich werde viel Kraft darauf verwenden."

Weitere Themen

Luchs gehört und gesehen, aber nicht nachgewiesen

„Wir war­ten im­mer noch auf ei­nen hand­fes­ten Nach­weis“, räumt Bau­er ein. Der ...

Weiter

Aus für Windkraft auf ​dem Ranselberg

Die EnBW verzichtet auf Windräder auf dem Ranselberg. Der Energieversorger, der die Anlagen in ...

Weiter

Preise für besondere Wiesen verliehen

Der Vorsitzende der Bürgerstiftung Unser Land! Rheingau und Taunus, Prof. Klaus Werk, zeichnete ...

Weiter
Zur Übersicht